Überprüfung der Produktlebensdauer: Dauerhaltbarkeit/Espressomaschinen

Wie langlebig ist ein Produkt?
4 Jahre in 4 Wochen

Immer wieder führen Zeitschriften und Verbraucher- organisationen vergleichende Produkttests durch. Und stellen an Institute stets die gleiche Frage: „Können Sie den kompletten Leistungsumfang prüfen, den wir haben wollen?“ Das ipi-Institut kann praktisch immer eine positive Antwort geben. Auch wenn aufwändige Prüfstände wie bei diesem Dauertest gefragt sind:

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Die Aufgabe:

Eine Verbraucherorganisation wollte 18 vollautomatische Espressomaschinen im Test vergleichen. Ein Interessen- schwerpunkt lag hier auf dem Test der Dauerhaltbar- keit. Eigentlich eine Routineprüfung, die aber in diesem Fall hohe Anforderungen an den Versuchsaufbau stellte: Schließlich hat ein Espresso-Vollautomat mehr Feinheiten, mehr mechanische und elektrische Finessen und mehr Kleinteile verbaut als z. B. ein Bügeleisen. Und außerdem mussten die Tests in sehr kurzer Zeit durchgeführt werden können. Um den Anforderungen des Kunden zu entsprechen, hat das ipi-Institut einen individuellen Prüfstand entwickelt.

Das Highlight:

Um die Tests hocheffizient durchführen zu können, haben die Techniker vom ipi-Institut einen automatischen Versuchsstand aufgebaut:

Als erstes wurden Leitungssysteme gelegt, um die Maschinen permanent mit Wasser zu versorgen – schließlich war der Tank sonst nach 10 bis 15 Espressi leer. Danach wurde das Volumen der Bohnenbehälter nach oben hin vergrößert, damit nicht ständig Kaffeebohnen nachgefüllt werden mussten. Die Bedienung der Tasten wurde über eine eigens programmierte Steuerung gelöst. Diese steuerte wie ein Art Zeitschaltuhr mit Hilfe von pneumatischen Kolben, wann welche Tasten oder welches Drehrad ausgelöst wurden.

Der Vorteil lag in einer hohen Ersparnis für den Kunden und einer deutlichen Verkürzung der Versuchszeit. Denn schon für den Betrieb der automatisierten Variante musste eine Person 40 Wochenstunden full-time eingesetzt werden: für Besonderheiten wie Reinigung, Entkalkung, Kaffeesatzentfernung usw. Wie hätte das erst ohne Automatisierung ausgesehen? So jedoch konnten 6.000 Zyklen in wenigen Wochen gefahren werden, was einer Produktlebensdauer von ca. 4 Jahren entspricht.

Die Durchführung/Details:

Bei den vergleichenden Labortests wurde in folgenden Schritten geprüft:

1. Bestandsaufnahme: Das „Inventar“ wurde verglichen, welche Arten von Maschinen liegen vor, was muss beachtet werden, welche Features kann man bei allen Geräten prüfen, welche fehlen?

2. Anwendungstest: Highlight: Ein guter italienischer Espresso sollte heiß und nicht lauwarm serviert werden. Das erfordert einerseits eine hohe Ausflusstemperatur aus der Maschine, andererseites eine vorgewärmte Tasse – aber das konnten viele Maschinen nicht hinreichend. Der Grund: Die Abstellfläche zum Vorheizen der Tassen war nicht mit einer Extra-Heizung versehen, sondern wurde nur aus der „Abwärme“ der Brühgruppe gespeist. Für Kenner und Puristen äußerst unzureichend. Weiterhin wurden Dinge geprüft wie: Kommt es zu Spritzern außerhalb der Tasse, tropft Wasser nach? Wie schnell geht die Zubereitung? Werden alle Tassen gleichmäßig befüllt? …

3. Handhabung: Hier ging es um die Gestaltung der Bedienelemente, die Menüführung, das Display, die Bedienungsanleitung. Das war deshalb komplex, weil die Automatisierungsgrade und Aufbauten der Maschinen extrem unterschiedlich waren. Wohlgemerkt: Hier ging es nicht nur darum zu checken, wie gut sich der Espressokuchen hinterher entfernen ließ.

4. Technische Tests: Neben der Dauerprüfung waren viele Checks, wie z. B. die Verkalkungsprüfung, vorzunehmen. Dabei wurde auch geprüft, ob die Geräte mit eingebautem Wasserfilter die Wasserhärte auf den richtigen Stand bringen. Leider gab es nur 2 Geräte, die diese Funktion überhaupt anboten. Routinetests auf elektrische Sicherheit, thermische Sicherheit, Kontakttemperatur oder nach Umwelteigenschaften wie Geräusch und Energieverbrauch rundeten die Tests ab.

Das Ergebnis:

Die Geräte waren anfälliger, als sich das der Durchschnittsmensch bei der Betrachtung der Maschinen ausmalt. Es gab mehr technische Unzulänglichkeiten als vermutet. Rund ein Drittel der Geräte wies Defekte auf: Bauteile lösten sich, bei 3 Maschinen ging das Mahlwerk kaputt. Sage und schreibe ein Drittel der Geräte hatte innerhalb von 6.000 Zyklen einen Kundendienst nötig. Und das bei einer Zeit von ca. 4 Lebensjahren, bei der man aus der Garantiezeit raus ist.
Man konnte sehen, dass der erhöhte Automatisierungsgrad der Maschinen eine höhere Anfälligkeit nach sich zog. Von daher haben sich die Tests mehr als gelohnt. 7 von 18 Maschinen hatten Ablaufstörungen: Bei vielen Geräten musste man manuell nachhelfen, was ja bei einem Vollautomaten eigentlich nicht sein sollte. Nachstochern, Verklemmungen, Unzuverlässigkeit – zu viele Dinge traten auf, die für den normalen Benutzer ein Problem darstellen.